Eine warmherzige, hoffnungsvolle Lektüre

Manchmal begegnet einem ein Buch, das nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt, sondern sich leise ins Herz schreibt. Mathilde und Marie von Torsten Woywod ist genau so ein Roman: warm, zugewandt und voller fein gesetzter Beobachtungen, die lange nachklingen. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, nicht einfach einer Geschichte zu folgen, sondern zwei Menschen wirklich kennenzulernen – mit all ihren Eigenheiten, ihrer Verletzlichkeit und dieser stillen Stärke, die man oft erst auf den zweiten Blick erkennt.

Besonders berührt hat mich die Art, wie Woywod Nähe entstehen lässt: nicht über große Effekte, sondern über Zwischentöne. Die Sprache wirkt dabei klar und gleichzeitig poetisch, als würde sie das Alltägliche kurz anheben, bis es leuchtet. Die Figuren bleiben nicht „Romanfiguren“, sondern bekommen Kontur, Widerspruch, Humor – und genau dadurch etwas sehr Echtes. Man liest weiter, weil man spürt: Hier wird niemand vorgeführt, hier wird verstanden.

Was mir zusätzlich gefallen hat, ist die positive Grundtemperatur des Buches. Ohne kitschig zu werden, vermittelt es Hoffnung – diese robuste, glaubwürdige Hoffnung, die aus kleinen Entscheidungen, ehrlichen Gesprächen und dem Mut zur Veränderung wächst. Mathilde und Marie erinnert daran, dass Zuneigung nicht perfekt sein muss, um tragfähig zu sein, und dass neue Wege oft dort beginnen, wo man sich traut, wirklich hinzuschauen.

Fazit: Ein emotionaler, lichtvoller Roman, der sanft erzählt und umso stärker trifft. Wer Geschichten mag, die menschlich sind, tröstlich – und dabei klug und fein komponiert –, wird Mathilde und Marie mit einem warmen Gefühl zuklappen. Und wahrscheinlich kurz danach wieder aufschlagen wollen.


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